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Kritik: Trauzeugen

sub kritik
 
Autor: Max Wrede
 
Filme in denen der schönste Tag im Leben die Hauptsache spielt, gibt es zur Genüge. Und weil diese eigentlich immer funktionieren, dürfen wir uns jetzt auf eine weitere Komödie darüber freuen. Ob das ein weiteres Mal klappt?
 
Vom Regen in die Traufe
 
Diesmal geht es allerdings vorrangig darum, was passiert, wenn zwei unbedarften Trauzeugen die Organisation eines solchen Events überlassen wird. Wie beispielsweise dem Scheidungsanwalt Jakob (Edin Hasanovic) und der Paartherapeutin Marie (Almila Bagriacik). Zwei grundverschiedene Persönlichkeiten, die plötzlich die Hochzeit ihres besten Freundes Tobi (László Branko Breiding), der beim Bouldern verunglückt, retten müssen.
 
Aber wenn zwei so unterschiedliche Temperamente aufeinanderprallen, kann das nur schiefgehen. So steuern die beiden Sturköpfe, die mehr verbindet als sie ahnen, zwischen Trauring-Fitting, Fotoshooting und einem Tauben-Intermezzo mit Folgen unweigerlich auf eine Katastrophe zu – in der weit mehr auf dem Spiel steht als nur das „Ja-Wort“.
 
 
Story mit autobiografischen Wurzeln
 
Eine Story, die übrigens nicht komplett fiktional ist. Denn Autor und Regisseur Christoph Stroeks (u.a. Der Nanny) hat in seiner Jugend selbst einmal für seinen besten Freund unbedarft dessen Hochzeit organisieren dürfen. Mit ähnlichen Problemen wie bei Jakob, wie er uns im Interview verraten hat. Und weil man sich als schreibender Regisseur leicht verzetteln oder den Überblick verlieren kann, hat er sich mit Lena May Graf (u.a. Sophia, der Tod und ich) eine Co-Regisseurin an seine Seite geholt. Eine gute Entscheidung.
 
Vor allem wegen des hohen Tempos mit dem die Beiden den Film inszeniert haben. Alles geht von Beginn an sehr rasant zu, mit kleinteiligen, schnellen Schnittfolgen. Genauer betrachtet ist der Film ein 100 Minuten langer Trailer. Zeit zum Luft holen bleibt so gut wie nie. Man muss also schon konzentriert bei der Sache bleiben, wenn man nichts verpassen möchte. Fast jede Szene ist zudem gespickt mit Situationskomik. Und Gags, die manchmal zünden, ganz oft aber auch nicht. Vieles ist einfach zu gewollt.
 
Außerdem wird im ersten Drittel des Films bei der Einführung der Figuren sehr viel geredet. Zu viel, bis man zum eigentlichen Kernthema kommt. Negativ fällt dabei leider auch auf, dass in fast jedem Handlungsstrang ein Handy bimmelt! Oder man daran etwas wichtiges besprechen muss. Wahrscheinlich aus Jugendschutzgründen eingebaut, um den Protagonisten ein Ventil zu geben, den Stress abzubauen, den sie bei den Hochzeitsvorbereitungen haben. Man weiss es nicht. Zwanzig Jahre früher wäre es wohl die Zigarette gewesen.
 
01 ©2023 Paramount Pictures02 ©2023 Paramount Pictures04 ©2023 Paramount Pictures05 ©2023 Paramount Pictures
 
Engagierter Cast
 
Trotzdem merkt man den Schauspielern an, dass diese beim Dreh großen Spaß hatten und mit viel Leidenschaft diese Produktion gestemmt haben. Edin Hasanovic (u.a. Rate your Date, Im Westen nichts neues) darf dabei als engagierter Scheidungsanwalt Jokob glänzen. Tut einem allerdings manchmal wirklich leid. Der Arme ist nämlich fast in jeder Szene entweder abgehetzt oder furchtbar gestresst. Nach diesem Dreh hat er wahrscheinlich selbst eine Auszeit gebraucht.
 
Seine Partnerin Almila Bagriacik (u.a. Die Kaiserin), 4 Blocks) konnte es als Paartherapeutin Marie dafür wesentlich ruhiger angehen lassen. Sie verkörpert ihren Charakter ausgeglichen, warmherzig und mit einer Natürlichkeit, dass man sie sofort ins Herz schließt. So eine Frau wünscht sich wohl jeder Mann!
 
Als Jakobs bester Freund Tobi wurde der Theaterschauspieler László Branko Breiding (Start the fck up) besetzt. Ein Charakter, der ihm nicht unähnlich ist, wie er uns im Interview verraten hat.
 
In einer weiteren halbwegs tragenden Rolle ist zudem Iris Berben zu sehen. Sie spielt die lesbische Chefin von Jakob. Und beauftragt diesen schließlich gegen Ende des Films sie bei ihrer eigenen Scheidung zu vertreten. Berben spielt diesen Charakter so, wie sie solche Rollen seit mehreren Jahrzehnten schon immer angelegt hat.
 
Außerdem darf man sich auf Nilam Farooq (u.a. Contra, Mein Blind Date mit dem Leben), Aurel Mertz (u.a. Aurel Original) und Kult-Comedian Kurt Krömer freuen.
 
Gedreht wurde der Film übrigens größtenteils in Frankfurt. Etwas, dass dem Film einen gewissen internationalen Flair gibt. Weil deren Wolkenkratzer ein Gefühl von New York vermitteln. Und gleichzeitig viele Erinnerungen an ähnliche Komödien aus den 90igern, wie beispielsweise Pretty Woman, in uns hervorrufen sollen.
 
Fazit
 
Dort kann man TRAUZEUGEN übrigens mit gutem Gewissen  einreihen. Denn der Film bietet zwar nichts grundlegend neues, aber amüsante, kurzweilige Unterhaltung mit einer gehörigen Portion Good-Feel-Erlebnis. Bei der wir gleichzeitig eine Menge über Selbstfindung und Achtsamkeit im Leben lernen. Damit wir die ganz große Liebe auf den ersten Blick auf keinen Fall verpassen.
 
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